DER DRITTE WEG

22.05.2016

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Kapital brutal - Hedgefonds zwingen Argentinien in die Knie

Die aktuelle Debatte um das Freihandelsabkommen TTIP mit den jüngsten Enthüllungen über die harten Bandagen, mit denen seitens des militärisch-industriellen Komplexes der USA um das Zustandekommen gekämpft wird, macht erneut den fortschreitenden Siegeszug des globalen Finanzkapitalismus deutlich.

Längst haben die Herren über die weltweiten Geldströme die Macht, ganze Volkswirtschaften zu erpressen und sich widerspenstige Staaten gefügig zu machen. In diesem Kontext ist auch die hierzulande kaum beachtete Beendigung der sogenannten Argentinien-Krise zu betrachten.

Was war geschehen? Im Jahr 1976 erlaubte die argentinische Militärregierung, argentinische Staatsanleihen nach dem Recht des US-Bundesstaates New York auszugeben, um deren Verkauf für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Nach der Staatspleite Argentiniens Ende 2001 griffen amerikanische Hedgefonds  begierig zu und kauften zu Schleuderpreisen Alt-Anleihen, die Argentinien  nicht mehr bedienen konnte. Die Umschuldungen der Jahre 2005 und 2010 machten die Fonds nicht mit. Während die allermeisten Gläubiger auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichteten, pochten die Hedgefonds darauf, dass sie vollständig ausgezahlt werden.

Festsetzung des  Schulschiffs der argentinischen Kriegsmarine in Ghana, angedrohte Pfändung der  Regierungsmaschinen - bei der Wahl der Druckmittel war man in der Folge alles andere als zimperlich, dabei immer die Staatsmaschinerie der USA im Rücken. Ein Urteil des US-Richters Thomas Griesa untersagte Argentinien 2014, andere Gläubiger zu bedienen, solange die Schulden bei den US-Hedgefonds nicht bezahlt seien. Dadurch war Argentinien de facto von den Kapitalmärkten abgeschnitten, der Schuldendienst an andere Gläubiger größtenteils blockiert. Ratingagenturen stuften das Land als mehr oder minder zahlungsunfähig ein.

Dennoch weigerte sich Argentinien unter der ehemaligen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner über Jahre die „Aasgeier“ und „Finanzterroristen“ zu bezahlen. Im Dezember 2015 erfolgte schließlich ein Regierungswechsel. Der neue Staatschef Mauricio Macri suchte den Kompromiss mit den Hedgefonds und einigte sich auf einen Vergleich in Höhe von 4,65 Milliarden Dollar. Argentinien braucht die Rückkehr an die Kapitalmärkte, um seine seit geraumer Zeit schwache Wirtschaft anzukurbeln.

Für die Finanzjongleure aus dem Norden hat sich das Warten gelohnt, sie streichen ohne Leistung dank jahrelanger Erpressung satte Gewinne ein. Ganz vorne liegt Bracebridge Capital mit einer Rendite von knapp 800 Prozent -  für 120 Millionen Dollar hatte der Fonds Staatsanleihen gekauft, nun bekommt er dafür 950 Millionen Dollar ausgezahlt. Auf 370 Prozent kommt Paul Singers Fonds NML Capital . Aus 617 Millionen investierter Dollar wurden knapp 2,3 Milliarden.
 

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